Das Prättigau erhält eine eigene MINT-Academy

 

Schiers festigt seinen Ruf als Bildungsstandort und eröffnet im August die MINT-Academy Prättigau. Die Kurse sollen den Kindern Phänomene und Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik näherbringen und sorgen sicher längerfristig bei der Bevölkerung im Tal für spannende Innovationen.

Der Schierser Gemeindepräsident Ueli Thöny geht nicht nur mit den Verkehrssperrungen neue Wege, auch die MINT-Angebote sind ihm seit jeher ein grosses Anliegen. «Die Gemeinde Schiers ist bestrebt, ein attraktiver und zeitgemässer Wohnort zu sein, unter anderem durch ein qualitativ hochstehendes und sowohl für Kinder als auch Eltern ansprechendes Bildungsangebot.» Das bestehende Schulangebot solle deshalb angereichert werden, und zwar durch ein MINT-Angebot, welches auch ausserhalb der regulären Unterrichtszeit stattfinde. «Es ist als regionales Projekt konzipiert: das Angebot steht Kindern aus Schiers sowie der Region offen. Die Inhalte sollen spielerisch und nicht leistungsorientiert vermittelt werden. Das Ziel ist, dass die Kinder motiviert sind und mit Freude lernen.» So ein Angebot habe natürlich auch eine grosse Wirkung auf junge Familien. «Für diese ist die Qualität der Schulen beziehungsweise des lokalen Bildungsangebots besonders wichtig. Je vielfältiger und aktiver das Angebot, desto ansprechender. Eine junge Familie wird zwar wohl kaum nur wegen dem MINT-Angebot ins Prättigau ziehen, aber das MINT-Angebot trägt sicher bei zu einer allgemein guten Qualität und attraktiven Ausstrahlung eines Standorts.»

 

Zuerst die Kurse, dann die Integration in den Unterricht

Bildung hat in Schiers einen hohen Stellenwert, sagt Ueli «Es ist eine der strategischen Ausrichtungen unserer Gemeinde. Nebst der obligatorischen Schule, der EMS und dem Bildungszentrum Palottis entsteht mit dem MINT-Angebot ein weiterer Pfeiler dieser Ausrichtung. Unser Bildungsangebot wird dadurch noch breiter und vielfältiger.» Dass sich die Kinder in Zukunft mehr mit MINT-Themen beschäftigen können, komme auch bei der Leitung der obligatorischen Schule und auch bei der EMS gut an. «Schon in der Phase der Konzepterarbeitung wurden sie involviert. Die Gespräche mit Gabriela Rüdisühli, der Schulleiterin des Zyklus 1 und 2, haben sogar zu einer Erweiterung der ursprünglichen Idee geführt. Nebst dem Aufbau eines ausserschulischen Angebots in einer ersten Phase sollen nun in einer zweiten Phase, ab Schuljahr 23/24, MINT-Module auch in den Unterricht eingebaut werden. Für diese zweite Phase des Projekts wird eine Zusammenarbeit mit der PH Graubünden sowie der EMS angestrebt, und zwar im Bereich der Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen.» Ursula Gehbauer, die frühere Leiterin des Bildungszentrum Palottis, hat das Konzept im Auftrag der Gemeinde Schiers entwickelt. Nach ihrem Weggang beim Palottis hat sie sich selbstständig gemacht und bietet nun als «The Manager for Rent» diverse Dienstleistungen an, unter anderem das Entwickeln und Durchführen von Projekten im Bildungsbereich. So eine Fachperson an Bord zu haben, schätzt auch Ueli Thöny sehr. «Dass sie sich mit den lokalen Begebenheiten auskennt, ist zweifelsohne von grossem Vorteil. Sie wird das Projekt bis zum Start der Kurse weiter bearbeiten.» Die Projektleiterin Ursula Gehbauer freut sich auf das MINT-Angebot, das in Phase 1 mit der MINT-Academy ab August 2022 an den Start gehen wird. Die für die Prättigauer Schülerinnen und Schüler angebotenen Kurse unterscheiden sich schon von den Angeboten der Mint-Wochen: «Die MINTKurse der MINT-Academy finden wöchentlich beziehungsweise im Zwei-Wochen-Rhythmus statt. Die MINT-Einheiten, die in der zweiten Phase in den Unterricht eingebaut werden sollen, finden im Rahmen des Unterrichts statt, das heisst also auch mehrmalig und nicht nur ein Mal. Und weil Letztere in den Unterricht integriert sind, werden alle Kinder daran teilnehmen können.»

 

Interesse früh wecken

Die Hamilton Bonaduz AG ist eines der Gründungsmitglieder der MINT-Academy. Andreas Wieland und seine Hightech-Firma sind auf eine seriöse MINT-Ausbildung angewiesen. «Wir beschäftigen in Graubünden ein paar hundert Ingenieure, Naturwissenschaftler und Spezialisten, die laufend neue Produkte entwickeln. Dabei ist die Digitalisierung ein Kernthema.» Durch Frühförderungen könne Innovation entstehen. «Aus Erfahrung wissen wir, dass Kinder sich früh entscheiden, in welche Richtung sie sich entwickeln möchten. Zudem haben viele Schülerinnen und Schüler grossen Respekt vor den MINT-Fächern. Wenn man sie früh abholen kann, lohnt sich die Investition.» Den Kindern die zum Teil recht trockene Materien näher zu bringen, sei eigentlich gar nicht so schwierig. «Einerseits müssen die Kurse spannend sein, andererseits ist auch die Auswahl der Kursleitung sehr wichtig. Für gewisse Themen haben wir unsere Informatik- und Technologie-Lehrlinge eingesetzt. Die sind superfit in der Materie und verstehen die Kinder sehr gut, da der Altersunterschied noch nicht allzu gross ist. Zudem lernen auch unsere Lernenden, sich zu präsentieren und komplexe Themen strukturiert zu erklären.» Um einen Fachkräftemangel zu vermeiden, lohne sich der Aufwand aber immer. «Da es in Zukunft immer schwieriger wird qualifizierte Mitarbeitende zu finden, zählt die MINT-Academy zu den Handlungsinitiativen, die wir selber beeinflussen können. Wenn alle Unternehmen ihren Beitrag leisten, dann sind wir einen grossen Schritt weiter.» Auch aktiv Zeit und Geld investiert Daniel Kyburz von 08EINS Chur. Doch von Frühförderung will der Informatiker nicht sprechen.

«Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kinder einfach neugierig sind und erfahren möchten, wie gewisse Dinge funktionieren. Die MINT-Academy bietet den Kindern die Möglichkeit, diese Neugier zu stillen und ihre Talente zu entdecken.» So entstehe automatisch Begeisterung, wenn die Kinder ein Thema besser verstehen würden und somit das Gelernte auf spielerische Weise anwenden können. Für die Churer Kurse der MINT-Academy müssen die Schülerinnen und Schüler an die Fachhochschule Graubünden, der Bündner Kantonsschule oder eben in den Räumlichkeiten der 08EINS AG in Chur, sagt Kyburz. «Die Kurse finden sechs Mal jeden zweiten Mittwochnachmittag statt und dauern jeweils zwei Stunden. Egal ob Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technologie, die Kursleiter achten darauf, dass die Kinder neben deR Theorie hauptsächlich selber experimentieren können.» Seit Ende 2021 gibt es die MINT-Academy Surselva, zudem sind im Lyceum Alpinum in Zuoz Kurse der MINTAcademy geplant. Die MINT-Academy Prättigau wird also der vierte Standort. Und im August 2023 werden dann in einer zweiten Phase zusätzliche Mathematik-, Informatik-, Naturwissenschaft und Technik-Programme direkt in den Schulalltag aufgenommen und im Prättigau schiessen die Innovationen bald wie Pilze aus dem Boden.

(Christian Imhof, Prättigauer Herrschaft, 12. Februar 2022)

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